Gewaltpräventionskonzept der Alfred-Delp-Schule Seligenstadt

Auf dem Weg zu weniger Gewalt an unserer Schule hat das Kollegium der Alfred-Delp-Schule Angebote, Methoden und Maßnahmen entwickelt, welche der Entstehung von Gewaltbereitschaft entgegenwirken sollen.

Ein Hinweis vorab: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

1.          Hilfe, meine Grenzen werden überschritten – die Stoppregel

Wichtigste Voraussetzung der Konfliktfähigkeit ist, dass die Konfliktsituation als solche erst einmal wahrgenommen wird. Dies ist gar nicht so einfach. Schüler sollten Spaß haben: Sie dürfen rangeln und necken, Grenzen testen, frech und witzig sein. Aber nur, solange es beiden Seiten Spaß macht und niemand dabei zu Schaden kommt. Regel: Meine Freiheit hört da auf, wo ich die Freiheit des anderen verletze. Ich achte darauf, den anderen nicht zu verletzen – weder mit dem, was ich sage, noch mit dem was ich tue.

Wir arbeiten an unserer Schule mit der Stoppregel. Sie unterstützt die Schüler darin, die Konfliktsituation zu erkennen und so Konflikte zu vermeiden. Die Stopp-Regel ist eine Hilfe für den Umgang der Schüler untereinander. Bei Beleidigung, körperlicher Gewalt, Wegnehmen von Eigentum anderer oder Verfolgung auf dem Schulgelände, im Schulgebäude und in der Sporthalle kann jeder Schüler sie anwenden.

Dabei ist es auch von Vorteil, dass Schüler ihre Grenze selbst definieren. So bedarf es keines Regelwächters oder Richters. Ziel dieses Trainings ist, dass Schüler deutlich mit ihrer Stimme und Körpersprache „Nein“ sagen lernen und sich abgrenzen können und dass sie formulieren können, was sie ärgert, verletzt, kränkt, enttäuscht, stört, nervt und wütend macht.

Die Stoppregel wird in jedem Schuljahr mit den Schülern erarbeitet und eingeübt bzw. wiederholt und vertieft.

Dabei wäre es hilfreich, wenn auch Eltern mit ihren Kindern über die Stoppregel sprechen. Insbesondere wenn ein Kind von einem Streit in der Schule berichtet, sollte diese Regel und deren Anwendung in Erinnerung gerufen werden.

Die Stoppregel ist in drei Schritte gegliedert:

1. Bei einem Gefühl der Bedrohung, der Verletzung oder wenn eine erfolgte Provokation als grenzüberschreitend empfunden wird, stellt sich der betroffene Schüler mit ausgestreckter Hand vor den Konfliktpartner und sagt: „Stopp! Hör auf, mich XY zu nennen/ mich zu schubsen/ usw.“
Erkennt der Konfliktpartner den Konflikt und ändert sein Verhalten, beendet die Stoppregel den Streit.

2. Wird das unerwünschte Verhalten nicht beendet, sondern fortgeführt, stellt sich der Schüler erneut mit ausgestreckter Hand auf und sagt: „Stopp! Hör auf, mich XY zu nennen/ mich zu schubsen/ usw. / oder ich sage der Aufsicht / dem Lehrer Bescheid.“
Erkennt der Konfliktpartner nun den Konflikt und ändert sein Verhalten, beendet die Stoppregel den Streit.

3. Wird das nicht erwünschte Verhalten nicht beendet oder beginnt nun eine Gewaltspirale, wendet der Schüler sich an die Aufsicht / den Lehrer, um mit dessen Unterstützung den Konflikt zu beenden.

2.          Alleine kann ich meine Konflikte nicht lösen – der Klassenrat

Manche Konflikte und Probleme können Schüler nicht alleine lösen. Sie benötigen dabei Hilfe und Unterstützung von Mitschülern. Dazu nutzen wir an unserer Schule die Methode des Klassenrates.

Der Klassenrat ist ein Instrument der demokratischen Gesprächskultur auf Klassenebene. Er dient dazu, auftretende Probleme zu erkennen, zu benennen und zu bearbeiten. Die Schüler lernen im Klassenrat, ihre Meinung zu äußern, sich auf andere zu beziehen, wertschätzend miteinander umzugehen, eigenes Lernen zu organisieren und Mehrheitsentscheide zu akzeptieren.

Regelmäßig (einmal pro Woche) nimmt sich die Klasse Zeit, um sich mit positiven und negativen Vorkommnissen der vergangenen Woche zu beschäftigen und so das Verständnis füreinander zu wecken. Im Gespräch miteinander merken die Schüler, wie unterschiedlich man Situationen betrachten und beurteilen kann. Sie finden in der Gemeinschaft einen bunten und vielfältigen Strauß von Lösungsansätzen.

Der Klassenrat wird zunächst in Klasse 1/2 vom Lehrer angeleitet und dann im Laufe der Grundschulzeit zunehmend in Selbstorganisation der Schüler durchgeführt. Eine Moderatorin bzw. ein Moderator leitet die Sitzung. Weitere unterstützende Rollen sind möglicherweise der Zeitwächter, der Regelwächter und der Protokollant. Schüler können so lernen, ihre Interessen selbst zu vertreten und Konflikte zu lösen.

Klassenratsablauf

1.         Der Klassenrat wird eröffnet: „Hiermit eröffne ich den Klassenrat.“

2.         Das Protokoll der letzten Sitzung wird vorgelesen. Die Schüler überprüfen:

Werden die Beschlüsse richtig wiedergegeben?

Haben die Absprachen geklappt?

3.         Die Notizen, die von den Schülern in der vergangenen Woche an der Wandzeitung oder im Briefkasten zusammengetragen wurden, werden besprochen. Dabei kann es sich um Lob und um Wünsche handeln.

Loben einer Handlung/Eigenschaft von einem Mitschüler

Wünsche an einen Mitschüler

Vorlesen und überprüfen, ob der Wunsch noch aktuell ist. Evtl. haben die Schüler doch schon alleine eine Lösung gefunden.

Der Schüler erläutert seinen Wunsch.

Gespräch / Diskussion

Ergebnis ins Protokoll aufnehmen

4.         Die Sitzung wird beendet: „Hiermit beende ich den Klassenrat.“

3. Verstöße gegen die Schulordnung – Pädagogische Maßnahmen und Ordnungsmaßnahmen

Leider kommt es trotz aller durchgeführten Präventionsmaßnahmen zu Unterrichtsstörungen oder Konflikten auf dem Schulhof oder im Schulgebäude, die nicht von den Schülern selbst gelöst werden können. Hierbei handelt es sich in der Regel um Verstöße gegen die Schulordnung.

Schulordnung

Wir unterlassen Treten, Spucken, Schubsen und beleidigen niemanden.

Wir lassen Gegenstände wie Steine, Rindenmulch, Sand, Stöcke und Schneebälle liegen.

Wir lassen elektronische Geräte ausgeschaltet im Ranzen. Für alles Mitgebrachte tragen wir die Verantwortung.

Wir bleiben während der Schulzeit und in der Pause auf dem Schulhof.

Die Toiletten sind keine Spielplätze. Wir halten sie sauber.

Wir werfen Abfälle nur in den Mülleimer.

Wir wenden die Stopp-Regel an.

Wir stellen uns für Ausflüge und vor dem Sport- und Schwimmunterricht zu zweit auf.

Wir gehen langsam und leise durch das Schulgebäude.

Wir gehen im Treppenhaus rechts und lassen das Überholen sein.

Wir frühstücken gemeinsam an unserem Platz.

Wir grüßen uns und halten uns die Türen auf.

Bei einem Verstoß gegen die Schulordnung oder bei Vorfällen, die nicht von Schülern alleine gelöst werden können, werden als erstes pädagogische Maßnahmen durchgeführt, wie Gespräche mit den Schülern und evtl. deren Eltern, die Anfertigung einer pädagogischen Nacharbeit, Nachholen von versäumtem Unterricht oder Wegnahme von Gegenständen, Ersetzen von beschädigten Gegenständen, Beseitigung von Verunreinigung oder Pausenverbot.

Der Vorfall wird von dem Schüler dokumentiert (Pädagogische Nacharbeit), den Erziehungsberechtigten vorgelegt und von diesen unterzeichnet. Wünschenswert wäre zuhause ein Eltern-Schüler-Gespräch.

Wenn diese pädagogischen Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen, kann die Schule Ordnungsmaßnahmen wie Ausschluss von Ausflügen, vom Unterricht, von besonderen Veranstaltungen oder Zuweisung in eine Parallelklasse anordnen.

Zur Vorbeugung von Gewaltdelikten gehört von schulischer Seite außerdem

·       die Benachrichtigung des Ordnungsamtes, wenn Schüler unentschuldigt zu Unterrichtsbeginn nicht zur Schule kommen.

·       die Information der Polizei, sollte ein Schüler den Schulhof vor Unterrichtsschluss verlassen und die Eltern nicht erreichbar sein.

Dies sind keine Gewaltpräventionsmaßnahmen mehr, sondern in beiden Fällen könnte dem Schüler etwas zugestoßen sein. Deshalb muss die Schule schnellstmöglich reagieren.

4.          Wir schaffen das gemeinsam – unsere Erziehungsvereinbarung

Das Kollegium der Alfred-Delp-Schule hat aus der Schulordnung, dem Hausaufgabenkonzept und dem Bewegungskonzept eine Erziehungsvereinbarung entwickelt, die für unser Schulleben hilfreich ist. Unser Ziel ist es, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und die Schüler in einer wichtigen Lebensphase, in der sie grundlegende Wertehaltungen ausbilden und Verantwortung für ihre Pflichten in einer Gemeinschaft übernehmen lernen sollen, zu unterstützen. Unsere Vereinbarung bildet die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit zwischen Schülern, Eltern und Schule.

Die Schule kann deutlich mehr leisten und auch vieles voranbringen, wenn Eltern und Lehrkräfte gut zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen. Das gilt besonders auch bei der Erfüllung verschiedener Aufgaben zur Erziehung.

Die Erziehungsvereinbarung wird Eltern und Schülern zu Beginn des 1. Schuljahres ausgehändigt. Zudem ist sie im Eltern-ABC hinterlegt. Die Erziehungsvereinbarung soll sowohl zuhause als auch in der Schule mit dem Schüler besprochen und durch die Unterschriften der Verantwortlichen bestätigt werden.

Dies ist uns wichtig, da Regeln nur eingehalten werden können, wenn sie verstanden und ernst genommen werden. Dazu müssen die Regeln dem Schüler bekannt sein und anhand von Beispielen verdeutlicht werden. Wenn dies von Eltern und Lehrern gleichermaßen umgesetzt wird, sind die Chancen am größten, dass die Regeln vom Schüler auch eingehalten werden.

5.          Das ganze Drumherum – unsere Schulkultur

Das Kollegium der ADS hat sich auf vier grundlegende Prinzipien verständigt als Basis für die Gestaltung des Unterrichts und des Schullebens.

o   Wir wecken Verständnis für Verschiedenheit und nutzen diese für die Gemeinschaft.

o   Wir schaffen Raum für sachliche und wertschätzende Kommunikation.

o   Wir helfen und unterstützen uns gegenseitig.

o   Wir planen und strukturieren unsere Aufgaben und erledigen sie verantwortungsbewusst.

5.1    Unsere Gewaltpräventionsmaßnahmen: Stoppregel – Klassenrat – Erziehungsvereinbarung

Auch in unserem Gewaltpräventionskonzept lassen sich unsere gemeinsamen Leitideen wiederfinden. Das soll an dieser Stelle am Beispiel „Klassenrat“ aufgezeigt werden.

Im Klassenrat treffen wir zusammen, um Themen des täglichen Miteinanders zu besprechen und zu diskutieren. Er findet statt, weil jemand ein Anliegen hat, das er anderen beschreiben muss, so dass sie es verstehen können. Dazu müssen die Klassenkameraden zuhören und sich einfühlen. Es darf, muss sogar Kritik geäußert werden, aber konstruktiv und in einer Sprache, die den anderen nicht verletzt oder beleidigt sondern nur die Sache betrifft. Das ist schwer und muss geübt werden. Der Klassenrat hat einen festen Plan mit klarer Struktur und Aufgabenverteilung, an die sich alle Beteiligten halten müssen, auch an die Ergebnisse und Vereinbarungen. Im Klassenrat erfahren Schüler, wie verschieden Situationen von einzelnen wahrgenommen und erlebt werden und wie viele Ideen durch viele „Nachdenker“ zusammenkommen, um Konflikte zu lösen. All diese Beratungs- und Lösungsvorschlage werden gemacht, um einander zu helfen.

Auch die „Stopp-Regel“ folgt konstruktiven Kommunikationsregeln und einem festen Ablauf, sie dient der gegenseitigen Hilfe und Wertschätzung und fordert den Respekt individueller Bedürfnisse und Grenzen.

Die gemeinsamen pädagogischen Leitideen stecken ebenfalls in der Erziehungsvereinbarung der Alfred-Delp-Schule, in der Schulordnung und in den Absprachen im Kollegium zu pädagogischen Maßnahmen bei Fehlverhalten. Vor allem konnten diese „Verhaltenskataloge“ nur entstehen, weil wir unseren Leitideen gemäß gemeinsam und in vielen konstruktiven Gesprächen daran gearbeitet haben.

5.2 Unsere Räume und Plätze: Schulgebäude – Klassenräume – Außenanlagen

Die Alfred-Delp-Schule ist schön. Das sagen alle, die uns besuchen und hier jeden Tag arbeiten. Eine kleine, gepflegte, überschaubare Schule. Im Juli 2017 wurden sämtliche Räume sehr farbenfroh gestrichen. Die Räume sind hell und liebevoll eingerichtet. Die Kunstwerke und Projekte der Schüler können im Flur und in den Klassenräumen bewundert werden, soweit es der Brandschutz erlaubt. Auch draußen gibt es viele verschiedene Ecken für viele verschiedene Bedürfnisse: Spielgeräte, Sitzplätze, Verstecke, große und kleine Fußballfelder, bald auch einen Elternsitzplatz, viel Grün drumherum, z.B. eine Kräuterspirale. Wir achten alle darauf, dass die Schule sauber bleibt und nichts kaputtgeht. Wer sich wohl fühlt in seiner Umgebung und gerne an einen Ort kommt und wer die Möglichkeit hat, sie mitzugestalten, identifiziert sich mit diesem Ort und den Menschen, die dort zusammenkommen und hat erst mal keinen Grund, grob, gemein und gewalttätig zu sein.

5.3 Unsere gesundheitsfördernden Konzepte: Bewegung – Ernährung – Schulhund

Wem ein ausgewogener Wechsel zwischen Ruhephasen, Stillsitzen und Zuhören, intensivem Arbeiten und Bewegungszeiten ermöglicht wird, ist ausgeglichen genug, um auch Unbequemlichkeiten des Alltags, Widerständen und Konflikten angemessen begegnen zu können. Ebenso wichtig ist eine gesunde Ernährung: wenig Zucker, so dass der Blutzuckerspiegel nicht abstürzt und man dann müde und grantig wird; genug Wasser, dass man „flüssig“ denken kann; überhaupt ein sättigendes Frühstück, denn auch Hunger macht den ein oder anderen ungeduldig und genervt. In unserem Bewegungs- und Ernährungskonzept sind die Bausteine aufgeführt, die mithelfen sollen, dass die Menschen an unserer Schule gesund bleiben und sich wohlfühlen. Zudem finden sich in unseren beiden Gesundheitskonzepten viele gemeinschaftsstiftende Vorhaben – sportliche Wettkämpfe, Frühstückseinladungen einzelner Klassenstufen für die ganze Schule, Spielfeste, Sponsorenläufe, Besuch von Bauernhöfen, Obstbäumen, Wochenmärkten, Indoor-Spielplätzen… – , die allen Beteiligten richtig guttun.

Gerda, der kleine Hund an unserer Schule, ist etwas ganz Besonderes. Auf ihn passen alle Schüler und Lehrer auf und über ihn freuen sich alle riesig, wenn er am Morgen über den Flur rennt. Das ist ein Ritual, zuerst ins Lehrerzimmer, um von einer Kollegin ein Leckerli abzuholen, dann durch die Schüler auf dem Flur, die Gerda herzlich begrüßen. Was ein Schulhund wirklich zur Gewaltprävention beiträgt, lässt sich schlecht sagen. Vielleicht macht Gerda die Schüler sensibel dafür, wie es dem Gegenüber geht. Sie fassen sie zart an, kraulen sie und sprechen leise, sie lassen sie auch mal in Ruhe, wenn sie nicht mehr will. Vielleicht lernen die Schüler auch an ihr, dass man alle so annehmen sollte, wie sie sind. Gerda mag alle Menschen, es sei denn, jemand hat ihre Grenze überschritten und sie geärgert oder gequält (was zum Glück noch nie vorkam). Gerda mag dicke und dünne Leute und die mit Brille und die, die nicht gut rechnen können oder nur langsam rennen. Sie tut allen Schülern mit wenig Selbstwertgefühl gut, weil sie keine Unterschiede macht und niemanden nach Leistung bewertet. Bewertungen, vor allem die als ungerecht und verletzend empfundenen Bewertungen, befördern Gewalt, ja sind vielleicht selbst schon Gewalt. Gerda kann zornige und traurige Schüler gut beruhigen. Nach einer Auszeit im Büro mit ihr auf dem großen Kissen können die meisten wieder weiterlernen.

5.4 Unterricht und Unterrichtsinhalte

Inklusion gibt es bei uns schon lange, eigentlich schon immer, wenn man den Inklusionsgedanken ernstnimmt und in jedem einen Besonderen sieht, der mitmachen darf. Gelebte Inklusion signalisiert, dass alle besondere Fähigkeiten und Schwächen haben und dass deshalb niemand ausgegrenzt oder beleidigt wird. Gelebte Inklusion arbeitet mit differenzierten und schülerorientierten Unterrichtsformen, die allen Schülern ermöglicht, an einem Unterrichtsthema gemäß ihrer Kompetenzen teilzuhaben. Sie nutzt Helferarrangements. Diese entlasten einerseits die Lehrkraft und lassen andererseits Schülern die Verantwortung füreinander erfahren als Basis für Gewaltfreiheit. Im Sportunterricht bekommt Fairness im Spiel und beim Wettkampf genauso eine Benotung wie sportliche Leistungen.

Jede Lehrkraft und jeder Schüler hat das Recht auf ungestörten Unterricht und die Pflicht, diesen zu ermöglichen. Um entstehende Frustration im Unterricht und daraus resultierende Störungen bzw. evtl. entstehende Gewaltbereitschaft zu verhindern, ist es sinnvoll, dass die Schüler vielfältige Lernstrategien, Kommunikationstechniken und kooperative Verfahren kennen lernen, die es ihnen ermöglichen, sich Wissen, Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten selbstständig anzueignen, Probleme zu lösen und Routinearbeiten erfolgreich zu verrichten. Ein so verstandenes Methodentraining dient nicht nur der Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung des einzelnen Schüles, sondern auch einem reibungsloseren Unterrichtsablauf, der sich den Inhalten intensiv widmen kann, weil die Schüler methodenkompetent ihr eigenes Lernen in der Gemeinschaft immer besser steuern können.

Nicht nur die Struktur des Lernens stützt Gewaltfreiheit, sondern auch viele Unterrichtsinhalte und Projekte. So haben sich Viertklässler eine Woche lang mit verschiedenen Behinderungen auseinandergesetzt und „Schwäche“ am eigenen Leib erfahren als Blinde, Taube, Gehbehinderte …. Und sie haben die vermeintlichen Schwächen als Stärken zu nutzen gelernt. In Ethik und Religion ging es darum, die verschiedenen Religionen kennenzulernen und deren Gebetsstätten zu besuchen. Dabei entdeckten die Schüler, dass andere Kulturen einem vielleicht zwar fremdartig erscheinen, man sich aber mit ihnen bekannt machen kann, statt ihnen aus dem Weg zu gehen. Viele Schüler- und Jugendbücher handeln von Außenseitern, die zunächst nicht in die Gemeinschaft aufgenommen werden. Sie werden im Deutschunterricht behandelt. Im Sachunterricht gibt es immer Themen, die Fremdartigkeit, menschliche Konflikte, demokratische Wertorientierung zum Gegenstand haben.

Die Schulgemeinschaft lebt nicht nur vom alltäglichen Lernen der Unterrichtsstoffe, sondern sie lebt auch von den besonderen Highlights im Schuljahr: den Schulfesten, Geburtstagsfeiern, den Einschulungen und Verabschiedungen, den gemeinsamen Theaterstücken, Aufführungen und Ausflügen. Dies sind Erlebnisse, die für die Wertschätzung des Einzelnen enorm wichtig sind oder die durch gemeinsames Arbeiten an einer Sache zusammenschweißen, so dass Gewalt untereinander keinen Platz mehr hat.

5.5 Weiterbildungen der Lehrkräfte

Die Lehrkräfte lernen immer noch, auch zum Thema Gewaltprävention und Kommunikations- und Wahrnehmungstraining. Eine Kollegin kümmert sich insbesondere um das Thema Sucht- und Gewaltprävention, besucht gemeinsame Treffen der Beauftragten und gibt Informationen ans Kollegium weiter. Die Schulleitung nimmt an Fortbildungen zur gewaltfreien und wertschätzenden Kommunikation und zum Thema „Sexueller Missbrauch an Schülern“ teil. Das gesamte Kollegium besucht Fortbildungen zum Thema „Klassenrat – Schülerparlament – Demokratie in der Schule“, „Gesunde Schule“, „Methodentraining – Kooperative Lernformen“ u.v.m.

5.6 Zusammenarbeit mit (außer-)schulischen Fachleuten

In größeren regelmäßigen Abständen laden wir den Veranstalter CONVA ein, der mit Familien an einem Wochenende ein intensives Gewaltpräventionstraining durchführt. Hier geht es ausschließlich um den Schutz der Schüler vor gewalttätigen Übergriffen, z.B. in der Schule von größeren und älteren Schülern, durch Fremde, aber auch Bekannte und Verwandte, durch Telefonanrufe und bei Diebstahl. Die Familien, vor allem die Schüler, üben an diesem Wochenende, sich vor diesen Arten gewalttätiger Übergriffe zu schützen. Die Schule nimmt immer auch neue Angebote zum Schüler- und Jugendschutz gerne wahr, z.B. Elternabende, die von außerschulischen Fachleuten angeboten werden.

Für manche, bei uns eher selten vorkommende Situationen, stehen uns Kollegen der Polizei, des Jugendamtes des Kreises Offenbach, der Förderschulen des Umkreises, der Institutionen der Teilhabeassistenten sowie die Schulpsychologen zur Verfügung.

Auch die Lehrer sind mal ratlos oder gar in manchen Situationen am Ende ihrer Kräfte. Hier helfen zunächst das Kollegiumsteam und die Schulleitung durch Gespräch, Entlastung und mit Lösungsvorschlägen.

5.7 Der Kriseninterventionsplan

Der Kriseninterventionsplan unserer Schule versucht die Menschen in unserer Schule vor äußerer Gewalteinwirkung zu schützen. Nach Maßgaben des Landes Hessen und in Zusammenarbeit mit der Polizei hat das Kollegium darüber nachgedacht, wie die Personen in der Schule bei Amokläufen, Unfällen, Schlägereien, Umweltkatastrophen etc. geschützt und gut versorgt werden können. Hierzu gibt es innerhalb der Schule intensive Absprachen und Regelungen, die wir hoffentlich nie brauchen werden.

6. Wo führt uns das hin? – Grundwerte und soziale Haltungen menschlichen Zusammenlebens

Wesentlich für schulische Gewaltprävention sind für uns die Werte des Grundgesetzes.

Art. 1 Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Auf die Erziehung bezogen bedeutet dies, dass alle, die erziehen, die Würde von Kindern und Jugendlichen schützen müssen. Konkret heißt dies beispielsweise, dass ein Erwachsener weder ein Kind beleidigen noch zulassen darf, dass Kinder sich untereinander beleidigen und sich beschimpfen. Umgekehrt dürfen Erwachsene auch nicht zulassen, dass Kinder sie respektlos behandeln. (….)

Art. 1(2) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt.

Bezogen auf die Erziehung ist dieser Grundwert besonders wichtig und er stellt jeden – und damit auch Erziehende – vor eine schwierige Aufgabe. In Kindertagesstätten, Schulen und Familien gibt es häufig Situationen, in denen es erforderlich ist, einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen des einen und denen des anderen herbeizuführen. Die Vielzahl der alltäglichen Konflikte bietet Erwachsenen die Möglichkeit, Kindern erlebbar werden zu lassen, dass Gemeinschaft „ein Geben und Nehmen“ ist und Rücksichtnahme verlangt. Setzt sich die eine Seite auf Kosten der anderen durch, gibt es „Sieger“ und „Verlierer“. Damit wird ein Potential für gewaltsame Formen der Konfliktaustragung geschaffen.

Art. 2(2) Schutz der körperlichen Unversehrtheit

Dies heißt auf die Erziehung bezogen, dass Schläge kein legitimes Erziehungsmittel sein können. Genauso wenig sind Schlagen, Treten, Beißen, Kratzen adäquate Mittel zur Konfliktaustragung der Schüler untereinander. In der Konsequenz bedeutet dies, dass es notwendig ist, Kindern beizubringen, ihre Konflikte mit friedlichen Mitteln konstruktiv zu lösen. Den Schutz der körperlichen Unversehrtheit zu gewährleisten, heißt auch, dass Erwachsene sich einmischen müssen, wenn sie gewalttätige Auseinandersetzungen beobachten.

Art. 14 Schutz des Eigentums

Kinder müssen zunächst einmal lernen, was „Mein“ und „Dein“ ist. Möchten sie mit dem Spielzeug spielen, das einem anderen Kind gehört, sollten sie lernen, zu fragen. Hören sie dann ein „Nein“, so gilt es, dieses „Nein“ zu respektieren, auch wenn es schwerfällt. Selbstverständlich sollen Kinder lernen, zu teilen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn Kinder sicher wissen, dass sie auch „Nein“ sagen dürfen und dass ihr Anspruch auf Eigentum respektiert wird.

Achtung und Respekt vor der Schöpfung

Der behutsame und achtsame Umgang mit der Schöpfung ist ein Grundwert aller christlich und ökologisch denkenden Menschen. Die Achtung und der Respekt vor der Schöpfung ist die Grundlage sowohl für das menschliche Zusammenleben als auch für den Erhalt unserer gemeinsamen Umwelt.

Grundsätzliche Regeln des Zusammenlebens, die sich aus den zuvor genannten Grundwerten ableiten: (…)

1.        Meine Freiheit hört dort auf, wo ich die Freiheit des anderen verletze.

2.        Ich achte darauf, den anderen nicht zu verletzen, weder mit dem, was ich sage, noch mit dem, was ich tue.

3.        Ich bin höflich zu anderen (und behandle den anderen mit Respekt).

4.        Ich helfe, wenn ich gebraucht werde, und hole Hilfe, wenn ich es alleine nicht schaffe.

5.        Ich behandle mein Eigentum sorgfältig und achte auf das der anderen.

6.        Ich bin ehrlich zu anderen.

7.        Ich achte fremde Kulturen und Religionen (und Besonderheiten der Menschen).

8.        Ich nehme Rücksicht auf die Natur und verhalte mich umweltgerecht.

Diese grundlegenden Werte wirken in jeder Tätigkeit und in jeder Situation der in der Schule lebenden Menschen. Sie werden in Gesprächen kommuniziert und mit konkreten Inhalten gefüllt, sie werden in vorbildlichem Handeln und Beispielen gelebt, sie werden in Konfliktsituationen eingefordert und geübt, sie werden an Unterrichtsthemen vorgestellt, sie werden beim gemeinsamen Lernen in der Klasse gebraucht. Hier sind die Erwachsenen als Vorbilder und Begleiter gefragt.

Diese grundlegenden Werte gehen untrennbar einher mit wünschenswerten personalen und sozialen Haltungen wie Achtsamkeit, gegenseitiger Wertschätzung, Verantwortungsübernahme, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Offenheit und Geduld.

(Auszug aus der in Seligenstadt von Kindertagesstätten, Schulen und der psychologischen Beratungsstelle des Caritasverbandes gemeinsam erarbeiteten Broschüre „Mut zur Erziehung“.)

7.          Epilog

“Gewalt” ist eine uns Menschen natürlich gegebene und kulturell formbare Handlungs-Möglichkeit, bei deren Verwirklichung wir uns selbst oder anderen Schaden androhen oder tatsächlich zufügen. (Prof. Dr. Claus Tiedemann)

Kommunikationsprobleme und fehlende Konfliktfähigkeit in der „Kleinen Welt“ sowie kriegerische Auseinandersetzungen und Menschenrechtsverletzungen in der „Großen Welt“ fordern von einer Schule, die demokratischen und ethischen Werten verpflichtet ist, die unbedingte Erziehung zum Frieden, den Abbau von Gewalt und Ungerechtigkeit, die Ausbildung der Fähigkeit, andere zu hören, zu achten und zu schätzen und Schwachen und Unterlegenen in Notsituationen zu helfen.

Überall, wo Menschen zusammentreffen, miteinander, gemeinsam spielen, zusammen lernen und arbeiten, treffen unterschiedliche Bedürfnisse, Sinngebungen und Ziele aufeinander. Konflikte, soziale Spannungen und Anfeindungen sind vorprogrammiert. Gewalttätiges Verhalten als eine Handlungsmöglichkeit des Menschen, um seine Ziele zu verfolgen und seine Bedürfnisse zu befriedigen, kann zum Einsatz kommen. Gewalttätiges Verhalten kommt auch bei uns an der Schule vor: mit Worten, seelisch, körperlich, unter Schülern, zwischen Schülern und Lehrern und gelegentlich auch zwischen erwachsenen Personen, die sich in der Schule aufhalten. Gewalttätiges Verhalten beeinträchtigt das Wohlbefinden aller im Lebensraum Schule und ist Auslöser von Angst, Misserfolg und möglicherweise noch mehr Gewalt. Das wollen wir an unserer Schule nicht hinnehmen. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, allen Schülern sowie allen an der Schule tätigen Personen größtmögliche Sicherheit und Angstfreiheit zu gewährleisten.

Wir verstehen unter Gewaltprävention, dass Menschen lernen, gewaltfrei miteinander zu kommunizieren und bei Problemen sozialverträgliche Lösungen für alle Beteiligten zu finden. Wir wollen helfen, Handlungskompetenzen und Strategien aufzubauen, die das tägliche Miteinander erleichtern, indem sie sowohl Konflikte vermeiden helfen als auch in Konflikten deeskalierend wirken. Die Auseinandersetzung mit sozialen Spannungen und die Vermittlung von Normen und Werten vollziehen sich in konkreten Situationen an jedem Schultag und sind integrativer Bestandteil des Schullebens. Wir wollen unseren Schülern Vorbilder sein. Gemeinsam vereinbarte Schul- und Klassenregeln gelten ausnahmslos für alle, aber sie sind nicht unveränderbar oder gültig für alle Zeiten, sie sind verhandelbar, so dass alle sie mittragen und einhalten können. Ein Gewaltpräventionskonzept dient der Vorbeugung und Aufarbeitung gewalttätigen Verhaltens auf der Basis gegenseitiger Absprachen und transparenten Vorgehens. Somit ist Werteerziehung und Gewaltprävention immer auch Demokratielernen. Nicht zuletzt hilft ein gründlich durchdachtes Gewaltpräventionskonzept den Kollegen der Schule, in Notfällen richtig und besonnen reagieren zu können.