Lesekonzept der Alfred-Delp-Schule

Einleitung

Sowohl für den schulischen und beruflichen Erfolg als auch für die gelingende Teilnahme des Menschen am gesellschaftlichen und politischen Leben sind das Lesen und damit einhergehend die Lesekompetenz notwendige Voraussetzungen. Wer nicht lesen kann, erfährt den Ausschluss von Bereichen des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens.¹ Lesen ist eine Schlüsselqualifikation, eine elementare Kulturtechnik, die es zu beherrschen gilt.
Das Lese- und das Sprachverhalten der Familie prägt die Lese- und Sprachsozialisation des Kindes grundlegend und ist somit von großer Bedeutung. Denn mit den hier gemachten Vorerfahrungen kommt es in der Schule an. Damit sich die Kinder, trotz einer sich schnell verändernden Medienumwelt und einer lesefernen häuslichen Umgebung, dem Lesen und dem Umgang mit Literatur öffnen, muss die Schule tätig werden. Aufgabe der Grundschule ist es einerseits, allen Kindern die Lesetechnik zu vermitteln, ihnen Literatur nahe zu bringen und das weiterführende Lesen zu trainieren und andererseits dieselben entsprechend ihrer Begabung zu fördern. Dem entspricht auch einer der vier Kompetenzbereiche des Fachs Deutsch: „Lesen und Rezipieren – mit literarischen und nicht literarischen Texten/Medien umgehen“.² D. h. am Ende der vierjährigen Grundschulzeit sollen die Mädchen und Jungen u.a. über festgelegte Kompetenzen des Lesens und des Umgangs mit Literatur verfügen.

Leseunterricht

„In vielen Unterrichtsfächern ist das Lesen eine Grundvoraussetzung“³, die im Leseunterricht erlernt und vertieft wird. Im Erstleseunterricht erlernen die Mädchen und Jungen zunächst die Technik des Lesens. Dieser Lernprozess sollte nach den ersten beiden Grundschuljahren abgeschlossen sein.4 Beim weiterführenden Leseunterricht geht es darum, das Verstehen und Interpretieren von Texten mit ihnen einzuüben und zu verfestigen. Gleichzeitig soll der Unterricht die Leselust der Kinder wecken und bei ihnen ein anhaltendes Leseinteresse entwickeln. Auch Eigenaktivität, Interesse, Bereitschaft zum Lernen und Forschergeist des Kindes unterstützen seinen Leselernprozess positiv und sollten daher im Unterricht Beachtung bzw. Raum finden.

1 Vgl.: Stiftung Lesen 1995
2Hess. Kultusministerium (2010)
3 Leuchtenstern (199)
4 Vgl. Strategisches Ziel II des Hess. Kultusministeriums

Angebote zum Aufbau der Lesekompetenz im Unterricht unserer Schule, die ab dem ersten Schultag angebahnt und/oder aufgebaut werden, können sein:

Angebot Beispiel Erklärung
Klassenraum a) Leseecke Ein lesefreundlicher Bereich im Klassenraum, der optisch abgetrennt ist.
b) Klassenbücherei Berücksichtigt das Alter der Kinder und ihr Interesse. Sie ist täglich nutzbar.
c) Thementisch SuS bringen Bücher/Zeitschriften und andere Medien zu einem Sachunterricht- oder Werkstattthema mit und stellen sie der Klasse zur Verfügung.
d) Ausstellung der Lieblingsbücher SuS stellen ihr Lieblingsbuch der Klasse vor und stellen es den anderen zur Verfügung.
e) Lesezeit Zu einer festgelegten Zeit im Stundenplan findet eine ritualisierte Lesezeit statt.
f) „antolin“ Mittels eines eigenen Zugangs können die SuS mit dem Internet-Angebot „antolin“ arbeiten. Hierdurch kann die Lesemotivation gesteigert werden. Zudem sammeln die Kinder Erfahrung im Umgang mit dem Medium Computer. Sowohl in der Schule als auch zuhause arbeiten sie damit. Die Klassenlehrkraft übernimmt die Verwaltung.
g) Lesepass Für tägliche, häusliche Leseübungen von ca. 10 Minuten erhalten die SuS in einigen Klassen einen Lesepass. Dieser wird nach Beendigung der täglichen Übezeit von den Eltern abgezeichnet. Bei vollständiger Bearbeitung erhalten die SuS für ihren Lesefleiß eine Urkunde, eine Belohnung und einen neuen Lesepass.
h) vorlesen Regelmäßig liest die Klassenlehrkraft aus altersgemäßen Bilder- und Kinderbüchern vor. Damit kommen die Kinder mit Literatur in Kontakt und erleben, dass Lesen Freude und Genuss bereiten kann. Mittels vorbereiteter Lektüre kommt es durchaus auch zu Vorlesesituationen durch die SuS.
i) Lesepaten Innerhalb einer Klassengemeinschaft können Lesepatenschaften entstehen. Hier bilden ein Leseprofi und ein –anfänger ein Team. Der Profi unterstützt mittels gemeinsamen Lesens den Leseprozess des anderen Kindes aktiv mit.
Schule a) Schulbücherei Einmal pro Woche (z. Zt. mittwochs) können sich die SuS ein Buch oder eine CD für zwei Wochen ausleihen. Die Ausleihe wird von den Eltern durchgeführt und von einer Lehrkraft koordiniert.
b) Autorenlesung Das Kollegium bemüht sich darum, Autorenlesungen für die Schule zu organisieren. Dadurch erhalten die SuS die Gelegenheit eine Autorin/einen Autoren kennenzulernen und mit ihr/ihm ins Gespräch zu kommen.
c) Klassenlektüre In der Schule sind diverse Lektüren als Klassensätze im Lehrerzimmer vorhanden. Diese können von den Lehrkräften entliehen werden und im Unterricht zum Einsatz kommen (weiterführendes Lesen).
d) Vorlesetag In der Adventszeit verabreden die Klassenlehrkräfte einen Termin, zu dem die Kinder der 3. Klasse(n) den Kindern der 1. Klasse(n) vorlesen. Dies kann sowohl in der Großgruppe als auch in kleinen Gruppen stattfinden. Die Wahl der Lektüre trifft die Vorleseklasse und darf aufgrund der Individualität der SuS auch differenziert sein.
Eltern a) Elterninformation Zum Schulstart erhalten alle Eltern über die Schule eine Broschüre zum Thema „Lesen“.
b) Elternabend L. informiert über die wichtige Bedeutung des Lese- und Sprachverhaltens des Elternhauses und bittet die Eltern, ihren Kindern regelmäßig vorzulesen, ihnen zu erzählen, mit ihnen zu sprechen und selbst ein Lesevorbild zu sein.
c) Schulbücherei Eltern arbeiten aktiv bei der Ausleihe der Schulbücherei mit.
d) Leseeltern/-paten Eltern, Großeltern, Verwandte unterstützen die SuS in ihrem Leseprozess, indem sie regelmäßig zur Lesezeit in den Unterricht kommen. Dabei lassen sie sich sowohl von den Kindern vorlesen als sie selbst auch als Leser aktiv werden.

Evaluation

Dieses Konzept soll bis zum Schuljahr 2016/2017 weiter erprobt und durchgeführt werden. Danach werden die einzelnen Überlegungen hinsichtlich ihrer Durchführbarkeit und Gültigkeit überprüft und im Bedarfsfall überarbeitet.

Literatur

1. Hess. Kultusministerium: Bildungsstandards und Inhaltsfelder. Das neue Kerncurriculum für Hessen. Primarstufe. Deutsch, Wiesbaden 2010
2. Hess. Kultusministerium: Rahmenplan Grundschule, Wiesbaden 1995
3. Leuchtenstern, Regina: So läuft Ihr Deutschunterricht, Oldenburg 1999