Unser Schulhundkonzept

Hundgestützte Pädagogik – Was ist das?

Als hundgestütze Pädagogik bezeichnet man den „systematische(n) Einsatz von ausgebildeten Hunden in der Schule zur Verbesserung der Lernatmosphäre und individuellen Leistungsfähigkeit sowie des Sozialverhaltens der Schüler (…). Als Co-Pädagoge unterstützt der Hund dabei den Lehrer/Erzieher bei dessen Erziehungs- und Bildungsauftrag. Der Umfang und die inhaltliche Gestaltung des hundegestützten Unterrichts variieren dabei von einer reinen Anwesenheit des Hundes in der Schule bis zur aktiven Teilnahme des Vierbeiners als Vorbild und Lernkamerad.“ (Heyer/Kloke: Der Schulhund, 2013, S.17)

Gesellschaftliche Entwicklungen und schulische Rahmenbedingungen, die einem erfolgreichen Lernen und einer positiven Persönlichkeitsentwickung von Kindern heute möglicherweise im Wege stehen, fordern immer wieder andere, neue, kreative pädagogische Werkzeuge und Strategien, weil Schule und deren Kinder nicht mehr so funktionieren, wie es wünschenswert wäre.

Es seien an dieser Stelle nur eine kleine Anzahl bekannter „Baustellen“ im Umfeld unserer Kinder genannt:

  • stetig steigender Leistungsdruck und Überforderung,
  • mediale Reizüberflutung und zunehmende „Alltagsgeschwindigkeit“
  • mangelnde lebendige Kommunikation und fehlende lebendige Spielpartner,
  • fehlende, unsichere, rein medial-fiktive Sozialkontakte,
  • familiäre Konflikte und Kleinstfamilien,
  • fehlende sinnvolle und befriedigende Perspektiven für  aktuelle und künftige Beschäftigungen …

… und nicht zuletzt die Unmöglichkeit, mit lebendigen Tieren unter einem Dach leben zu können.

Aus alledem ergeben sich bei manchen Menschen – Kindern und Erwachsenen – möglicherweise negative Folgen, die für Lernen, Persönlichkeitsentwicklung, Glück, Zufriedenheit und Gesundheit von entscheidender Bedeutung sind:

z.B. ein verunsichertes Selbstwertgefühl, Wahrnehmungs-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Überlastungsanzeichen , Vereinsamung, Demotivation, Lustlosigkeit, die Unfähigkeit, positive Beziehungen zu unterhalten und weiter psychische Probleme.

Der Einsatz eines Hundes als pädagogischer Helfer in der Schule muss nicht der Königsweg eines Auswegs aus falschen Kreisläufen in unserem gegenwärtigen Alltag und in unseren Bildungseinrichtungen sein, aber er ist vielleicht eine Möglichkeit, fehlerhaften Entwicklungen entgegenzusteuern. Eingehende wissenschaftliche Studien zu den positiven Effekten des Einsatzes von Schulhunden finden sich in dem Buch „Hunde im Schulalltag“ von Andrea Beetz.

Die gesunde und glückliche Entwicklung unserer Kinder liegt uns am Herzen. In diesem Sinne verstehen wir Schulhund-Pädagogik – neben den Schwerpunkten „Gesunde Ernährung“, „Bewegung“ und „Gewaltprävention“ – als einen Teilbereich des  Gesundheitskonzepts der Alfred-Delp-Schule, der die Chance birgt, das Zusammen-Leben und Zusammen-Lernen positiv zu unterstützen.

Die Strategien der Hunde als Lernhelfer

„Therapiehunde tragen keine weißen Kittel, stellen keine Anforderungen und haben keine Erwartungshaltung.Sie nähern sich unvoreingenommen und akzeptieren jeden Menschen ohne Vorurteile. Sie schenken Vertrauen und sind (…) vertrauenswürdig. Sie vermitteln Nähe, Sicherheit und Geborgenheit. Sie reagieren sensibel auf Stimmungen und Gefühle.  Sie motivieren zum Leben.“ (Röger-Lakenbrink: Das Therapiehunde-Team, 2006, S.9)

Dieses Zitat lässt sich uneingeschränkt auf die Hunde in der Schule übertragen.

An Menschen und Kinder gewöhnte Hunde begegnen jedem menschlichen Partner offen, freundlich und wertfrei, egal, wo er herkommt, wie reich seine Eltern sind und wie gut er in der Schule ist. Hunde schenken ihrem Gegenüber bedingungslose Liebe, Annahme und Treue, wenn er sie gut behandelt, und sie machen unverstellt und unmittelbar „Meldung“, immer und auch gerade dann, wenn im Kontakt ein Fehler oder ein Missverständnis unterläuft.

Die Kommunikation mit Hunden bietet eine besondere Form des sozialen Lernens und der Freundschaft. Sie ist absolut ehrlich, direkt, unmittelbar  und unmissverständlich.  Wer mit einem Hund befreundet sein will, muss sich an Regeln und klare Ausdrucksformen halten, sonst kann das Tier den Menschen nicht verstehen. Da der Hund nicht deuten und interpretieren kann, fordert er vom menschlichen Gegenüber eine ebenso ehrliche und klare Kommunikation. Seine Unfähigkeit zu interpretieren, sich zu verstellen ist seine Stärke uns Menschen gegenüber. Es ist seine Lehrstrategie für uns Menschen, für unsere Kinder. Hier ist der Hund Vorbild und Herausforderer.

Ein Hund ist außerordentlich sensibel für Botschaften, Gefühlsnuancen und Stimmungen, auch für die versteckten, die ein Mensch sendet. Der Mensch erfährt sofort Rückmeldung über sein Handeln und seine Ausstrahlung und die Konsequenzen, die er tragen muss. Er erfährt Ursache und Wirkung, Unmittelbarkeit. Und diesen Zusammenhang kann er für sein Selbstverständnis und den Umgang mit anderen Menschen nutzen.

Durch diese Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Klarheit empfinden viele Kinder den Kontakt zum Tier so wohltuend anders als viele Beziehungen und Erlebnisse in ihrem Umfeld.

Das ist Gerda

Gerda ist eine Dackel-Terrier-Mischlingshündin und kam im April 2014 mit ca. 4 Monaten aus Spanien. Sie wurde in Spanien mit ihrer Schwester Greta von einem Bauern zu einer Auffangstelle gebracht, weil er beide Hundchen nicht auf seinem Hof gebrauchen konnte. Zum Glück waren sie wohl genährt und hatten mit Menschen gute Erfahrungen gemacht. In Deutschland landeten beide Hunde in einer Pflegestelle des Vereins „Fellnase sucht Sofa“ in Stockstadt. Schwester Greta wohnt jetzt in Mainflingen und Gerda kam zu mir, d.h. Gerda hat mich ausgesucht, denn ein Hund war in meiner Familie zum gegenwärtigen Zeitpunkt eigentlich nicht geplant. Nachdem ich die schulische Gemeinde mit Gerda mehr oder minder überfallen habe, freuen sich mittlerweile alle darüber, dass es sie gibt. Anfangs verbrachte sie den Schulvormittag ausschließlich im Schulleitungsbüro. Nach Schulschluss wurde sie dort von vielen Kindern gerne besucht. Im Oktober 2015 hat sie die Begleithundeprüfung im Hundeverein Zellhausen mit Bravour bestanden und bildet sich jetzt mit mir gemeinsam kontinuierlich als Schulhundeteam fort. Seit dieser Zeit besucht sie auch regelmäßig den Unterricht.

Hierfür nutzen wir neben den oben genannten „Lehrstrategien der Hunde“ Gerdas Besonderheiten. Zunächst einmal ist Gerda ziemlich klein – sie wiegt nur 7-8kg – und einfach „knuffig“, Schnauzbart,  ein bisschen verstrubbelt, dreifarbig mit „Söckchen“, ein „Sonnenschein“, ein Hund, geeignet für die Grundschule, auch für die Kleinsten, ein Hund, vor dem kaum ein Kind Angst hat. Sie begrüßt Kinder und Erwachsene stets fröhlich, quirlig und überschwänglich, wedelt so heftig, dass sich der ganze Körper verbiegt und sie kaum noch laufen kann. Sie ist energiegeladen und verspielt, manchmal stürmisch, aber niemals grob, sondern immer eher beschwichtigend und zärtlich. Ein scharfer Ton und sie macht sich ganz klein und rund. Leckerlis nimmt sie vorsichtig aus der Hand. Sie hört gut und versichert sich immer wieder bei mir, ob das, was jetzt ansteht und passiert, auch so in Ordnung ist. Gerda lernt gerade einige Tricks und kann damit beeindrucken. Sie kann aber auch still neben Kindern liegen und einfach zuhören und da sein. Wenn sie sich bedrängt fühlt, es ihr zu wild und zu viel wird, sucht sie Schutz bei mir. Sie zeigt mit Rückzug und Beschwichtigung, wenn ihr etwas nicht gefällt. Sie war bisher noch nie aggressiv, weder gegenüber anderen Hunden noch bei Menschen.

Aus diesen Gründen ist sie auch für die Kleinsten in unserer Grundschule eine Freude.

Gerda wird so eingesetzt, dass ihre Stärken dem Lernen der Kinder und ihr selbst zu Gute kommen können. Nicht jeder Hund kann für alle Vorhaben und Situationen in der Schule eingesetzt werden. Ein eher nervöser, lebhafter Hund würde sich schwer tun, eine sowieso schon unruhige Klasse zu beruhigen und zu entspannen, aber er kann durch seine Lebendigkeit möglicherweise müde Kinder munter machen und motivieren, sich am Unterricht zu beteiligen. Ein Hund, der keine Kunststücke beherrscht und auch nicht lernen will, kann diese auch nicht im Unterricht vorführen. Er ist dafür aber vielleicht ein guter Zuhörer oder Schmuser.

Die Tätigkeit eines Hundes in der Schule bewegt sich zwischen

  • reiner Anwesenheit in der Klasse („Einfach-da- Sein“),
  • aktiver Beteiligung des Hundes bei Spielen und Aufgaben,
  • der direkten Arbeit mit dem Hund, ähnlich, wie in einer Hundeschule
  • und nicht zuletzt seiner Rolle als Beobachtungs- und Anschauungsobjekt, wenn er selbst zum Lerninhalt wird.

In diesem Sinne arbeitet er Lehrer, Lern- und Spielpartner und Modell.

Gerda arbeitet momentan – regelmäßig oder nach Bedarf – in folgenden Bereichen:

  • als „Klassenhund“

Gerda hat sich selbst den freien Stuhl neben einer Schülerin ausgesucht. Dort darf sie bleiben.

Als Klassenhund ist Gerda an manchen Tagen einfach mit im Raum. Sie liegt auf ihrem Platz, im Stuhlkreis auf einem Stuhl oder zu Füßen eines Kindes. Sie sitzt im Saal neben einzelnen Kindern, die sie sich aussucht. Manchmal läuft sie herum und will da und dort gestreichelt werden. Einzelnen Kindern kann sie „Post“ bringen. (Wir üben noch.) Die Klasse muss leise sein, die Kinder sollen sich ruhig bewegen. Wer gut gearbeitet hat, darf Gerda ein Leckerli geben oder sich neben sie auf die Couch setzen. Die Kinder sind glücklich, wenn Gerda wedelt und sie morgens begrüßt. Wenn alles gut funktioniert in dieser Stunde, gibt es am Ende ein Spiel mit ihr.

Durch ihre alleinige Anwesenheit kann Gerda positive Effekte auf das Lern- und Klassenklima entfalten:

Freude verbreiten
die soziale Interaktion, Vertrauen und Selbstwahrnehmung und -steuerung fördern,
Stress und Angst reduzieren,
Oxytocin-Ausschüttung und die damit verbundenen gesundheitsfördernde Wirkungen anregen (vgl. Andrea Beetz, Hunde im Schulalltag, 2013, S. 60-80)

Ihre Aufgaben in der Klasse als Klassenhund sind nicht planbar. Sie werden an sie herangetragen, oft ohne dass sie oder irgendjemand es merkt.

  • als „lebendes Modell“ in der „Hundestunde“

Die beiden Jungen trainieren mit Gerda kleine Tricks und Kommandos.

Im Sachunterricht oder in der Hunde-AG dreht sich alles „Rund um den Hund“. Er ist Thema/Mittelpunkt des Unterrichts:

Was ist alles an Gerda dran? Was braucht Gerda, damit es ihr gutgeht? Was versteht Gerda? Was erzählt sie uns? Wie können wir mit ihr sprechen? Wie geht man richtig mit ihr um? Wie zeigt sie ihre Gefühle? Welche Sinne setzt Gerda ein? Welche Rassen und Hundeberufe gibt es? Auch die Unterrichtsthemen „Tierschutz“ und „Haustiere allgemein“ und die Verantwortung für andere Geschöpfe und Natur können mit Hilfe eines lebendigen Anschauungsobjektes besser nahe gebracht werden, ebenso die Erkenntnis, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der eigenen Familie vielleicht kein Platz für einen Hund ist.

In der Hundestunde dreht es sich letztlich auch immer um die Kinder selbst. Denn wer gelernt hat, wie etwas beim Hund funktioniert, der fragt auch danach, wie sich das das bei ihm selbst verhält. Ja, der Hund kann eigentlich nur verstanden werden, wenn man sich selbst spürt, über sich selbst nachdenkt, von sich auf ihn schließt und wieder zurück zum Tier gelangt.

Gerdas Einsatz in diesen Stunden ist genau geplant und strukturiert.

  • als „Lernhelfer und Assistent“ im regulären Unterricht

Mit Gerda  gemeinsam kann man Lernspiele in sämtlichen schulischen Bereichen (Sprache, Mathematik, Sachwissen) durchführen. Des Weiteren gibt es Wahrnehmungsspiele, Bewegungsspiele, Kontaktspiele, die sich inhaltlich um den Hund drehen oder ihn als Mitspieler benötigen (vgl. z.B. Baumgärtner, Koch, Reiter, Thielen, Spielekartei Hund für die tiergestützte pädagogische Praxis, 2014 ; Jablonowski, Köse,  Co-Pädagoge Hund, 2014)

Bei diesen Spielen würfelt, zieht, holt, bringt Gerda verschiedene Dinge/Fragen, die zum Spiel gehören. Oder eine Aktivität mit ihr gemeinsam wird zum Joker oder zur  Belohnung für den Sieger. Inhaltlich lassen sich über Gerda Geschichten schreiben, Lernwörter sammeln und aufschreiben. Gerda schickt und erhält Briefe und weckt beim ein oder anderen Kind die Lust am Freien Schreiben.

Gerdas Mitarbeit steigert in der Regel insgesamt die Motivation und Freude der Kinder am Lernen, Wiederholen und Üben.

Gerdas Einsatz ist für einzelne Phasen der Stunde, für das jeweilige Spiel oder die Aufgabe geplant und vorbereitet.

  • als „Lernhelfer und Assistent“ in der Einzelförderung

Noch mehr fehlt Kindern die Motivation zum Arbeiten, wenn ein Thema, ein „Schulstoff“, eine schulische Fähigkeit schwerfällt oder gar nicht gelingt. Gerda arbeitet bei uns als Lesetrainer. Ihre Aufgabe ist: zuhören und den Mund halten,…was sie gut kann, der Lehrer und die Mitschüler nicht immer. Wenn schlechte Leser vorlesen, ist Gerda nicht genervt. Sie meckert nicht rum und korrigiert nicht in den Lesevortrag hinein. Im Gegenteil, sie genießt es, mit dem Lesekind auf der Couch zu sitzen, gekrault zu werden und zuzuhören. Und das Kind genießt den warmen, weichen, entspannten Hund neben sich, dem das Vorlesen gefällt. Das ist alles. Und das kann dazu führen, dass ein Kind überhaupt erst einmal liest.

Geplant ist es, Gerda auch in der LRS-Förderung einzusetzen und dann neben den reinen  Lesezeiten mit dem Hund auch gezielte LRS-Übungen gemeinsam zu gestalten. Dies erfordert noch eingehende Planung und Materialgestaltung.

Aktivitäten mit Gerda dienen bei der Einzelförderung ebenfalls als Belohnung für gelungenes Arbeiten und als Motivation und Katalysator für Lernen überhaupt.

Der Einsatz des Schulhundes in Förderstunden ist genau geplant und gut vorbereitet.

  • und nicht zuletzt als „Krankenschwester“ und „Seelsorger“

Gerda kümmert sich um Verletzte, Kranke und Traurige. Schon manches Kind hat sich wieder ein bisschen beruhigt, wenn es bei Gerda warten durfte, bis es ihm wieder besser ging oder die Mama kam, um es abzuholen. Sie hat von Wespen gestochene Kinder abgelenkt und Streitschlichter gespielt. Dieser Einsatz ist nicht planbar. Er geschieht und Gerda eignet sich hervorragend als Seelentröster.

Damit es allen gut geht: Rahmenbedingungen – Schutz der Kinder – Schutz des Hundes

  • Schutz der Kinder

Gerda besitzt ein überaus menschenfreundliches Wesen und zeigt kaum territoriales Verhalten oder Aggressionspotenzial. Sie ist schlau und vermeidet durch defensives, beschwichtigendes Verhalten Konflikte mit anderen Hunden und Menschen. Sie hat eine Ausbildung zum Begleithund erfolgreich absolviert und sie  kennt die Übungen des Grundgehorsams. Sie trainiert fortlaufend mit mir in der Schulhunde-Teamausbildung beim Schulhundezentrum – Dogs-for-Kids, in der wir auch auf den Umgang mit schwierigen oder stressigen Situationen vorbereitet werden.

Der Einsatz des Hundes ist dem Schulamt Offenbach sowie dem Kreis Offenbach bekannt. Alle erforderlichen Unterlagen (Begleithundeprüfung, tierärztliche Gutachten, Sachkundenachweis, Wesenstest, Befragung der Eltern und des Elternbeirates, Abstimmung der Gesamtkonferenz und Schulkonferenz) liegen vor und können im Schulhunde-Ordner eingesehen werden.

Die Kinder sind mit dem Hund nicht allein. Gerda kommt und geht immer mit mir.

Gerda wird regelmäßig geimpft, entwurmt und untersucht. Sie ist gesund, was tierärztlich regelmäßig bestätigt wird,

Gerda-Stunden werden nur in einem Klassensaal der Schule abgehalten, damit Kinder und Kollegen, die unter einer Tierhaar-Allergie leiden, nicht in gesundheitliche Gefahr gebracht werden. Kinder mit Allergie sind selbstverständlich vom Unterricht mit Gerda freigestellt. Sie können in diesem Fall in einer anderen Klasse unterrichtet werden. Sollte das nicht möglich sein, darf der Hund nicht in die Klasse kommen. Die Eltern werden vor dem Hundeeinsatz in einer Klasse bzw. im Förderunterricht um ihr Einverständnis gebeten.Ist Gerda in der Klasse, wird das draußen an der Tür mit einem Schild angekündigt.

Gerda verrichtet ihre Geschäfte außerhalb des Schulgeländes. Im Klassenraum befindet sich Desinfektionsmittel, ein Waschbecken, Hygienetücher und Handschuhe. Manchmal freut sich Gerda über die Kinder so sehr, dass sie ein paar Tröpfchen verliert. Diese werden mit Desinfektionsmittel unmittelbar beseitigt. Vor dem Frühstück werden die Kinder zum Händewaschen angehalten. Außerdem wird darauf geachtet, den Kontakt zwischen Gesicht/Mund  und Tier zu vermeiden. Gerda soll die Kinder nicht abschlecken und sie hat keinen Zugang zu Küche und Speiseraum der Betreuung. Hundeutensilien werden regelmäßig gewaschen und gereinigt.

Die Tierhaftpflichtversicherung tritt für Schäden ein, z.B wenn Gerda einen auf den Boden gefallenen Füller oder eine Brille zernagen würde.

Sehr ängstliche Kinder müssen Gerda niemals anfassen. Sie  können immer genügend Abstand halten, um einfach nur zu beobachten.

  • Schutz des Hundes

Gerda wird artgerecht gehalten. Sie lebt bei mir gemeinsam mit zwei Katzen in der Familie. Sie wird gut versorgt, hat viel Auslauf, einen Garten und kommt mit vielen anderen Hunden in Kontakt, von denen sie lernen kann.  Wenn sie krank ist, bleibt sie selbstverständlich zu Hause. Sie verbringt nicht den gesamten Unterrichtsvormittag im Klassensaal, sondern wohnt die meiste Zeit in meinem Büro.

Zu Beginn des Hundeeinsatzes werden mit den Kindern genaue Regeln erarbeitet, wie man mit Gerda umgehen darf und wie nicht. Regelverstöße haben sofort zur Folge, dass Gerda nicht mehr kommen darf. Im Klassensaal hat sie einen Rückzugsplatz auf der Couch, an dem sie bei „STOP“ (Schild) keiner stören darf. Der Hund wird weder an Kinder noch Kollegen „verliehen“ und mit anderen allein gelassen.

Ich habe mich dahingehend weitergebildet und werde es auch fortlaufend tun, Stressanzeichen beim Hund und Grenzen eines Einsatzes zu erkennen, um rechtzeitig genug in eine Situation eingreifen zu können oder den Hund gar nicht in eine solche zu bringen .

  • Schutz der Kinder und des Hundes

Der Hundeführer verfügt über genügend Sachkenntnisse zu den Themen „Hundeverhalten, Haltung, Anzeichen für Stress und Erschöpfung oder Unwohlsein bei Hund und Kind“ und hat eine intensive Bindung zu seinem Tier… natürlich auch zu seinen Kindern.

Ich verpflichte mich, weiterhin regelmäßig an Fortbildungen zum Thema „hundgestützte Pädagogik“ teilzunehmen.

Hunde-Unterricht wird von mir stets gut vorbereitet, beobachtet und nachbereitet. Spiele und Aufgaben, an denen Gerda beteiligt ist,  werden vorher, zumindest in Teilbereichen zuhause und in der Schulhundefortbildung geübt, ihr Einsatz gut überdacht.

Schulhund – Das kann auch schief gehen – und dann?

Ein Schulhund ist keine Garantie für guten oder besseren Unterricht und er ist auch nicht per se hilfreich und förderlich für Lernen.

Die Anwesenheit eines Hundes kann bei einzelnen Kindern statt zu Freude und Oxytocin-Ausschüttung zu einem hohen Stressfaktor und Angstverhalten führen. Er kann im Unterricht auch ablenken, wenn er umherläuft oder zu einzelnen Kindern geht. Er kann zu Streitigkeiten führen, wenn er zu einem Schüler öfter Kontakt aufnimmt als zu einem anderen. Das wird am Anfang, bis die Anwesenheit eines Hundes im Klassenraum zur Normalität geworden ist, auch öfter der Fall sein.

Aus diesen Schwierigkeiten kann immer etwas gelernt werden. Auch vom Hundeführer. Es kann sein, dass der Hund für eine gewisse Zeit oder dauerhaft nicht mehr mitgenommen werden kann. Eine Auszeit kann für eine Klasse aber auch Motivation und Lockmittel sein, sich anzustrengen und Streitigkeiten oder mangelnder Disziplin ein Ende zu machen. Es kann sein, dass einem Schüler, der sich von Gerda leicht ablenken lässt, ermöglicht wird, sich für eine gewisse Zeit mit ihr alleine zu beschäftigen. So wird es für ihn eher zur Normalität und er kann vielleicht besser bei seiner Arbeit bleiben. Ein Kind, dass große Angst hat, hat die Chance – vor allem mit Gerda als Schulhund – zu lernen, mit seiner Hundeangst umzugehen und sie vielleicht zu überwinden. Bei einem solchen Kind würde man vermeiden, den Hund permanent in verschiedensten Fächern mit in die Klasse zu nehmen. Man würde mit dem Kind gemeinsam überlegen, was es sich zutraut, wie man die Situation für das Kind angenehmer gestalten kann. Das Thema  würde auf jeden Fall in expliziten Hundestunden bearbeitet und nicht nebenbei, wenn gerechnet oder  Rechtschreibung geübt werden soll.

Ein Beispiel – Die Hunde AG in der 1. Klasse

Für die Kinder unserer beiden 1. Klassen können wir dieses Schuljahr jeweils eine Hunde-AG-Stunde anbieten. In dieser Stunde erleben und lernen die Kinder eine ganze Menge „Rund um den Hund“:

  • Verhaltensregeln zum Umgang mit dem Schulhund im Klassenzimmer
  • erste Kennenlernspiele mit dem Hund
  • Kommandos und Führübungen
  • Hindernisparcour – Sport mit dem Hund
  • Begegnungen mit Hunden draußen – Verhaltensregeln
  • Hunderassen
  • Hunde als Haustiere – Versorgung
  • Körper und Sinne des Hundes
  • Hundeberufe

Eine Hundestunde beginnt immer mit einem Begrüßungskreis. Jedes Kind bekommt ein Leckerli in die Hand und Gerda darf von Kind zu Kind gehen und es sich abholen.

Es gibt Stunden, in denen werden bestimmte Sachverhalte erklärt und an Gerda  sowie mit Hilfe von Bildern gezeigt. Manchmal machen wir Rollenspiele, damit die Kinder unmittelbar verstehen können, wie es einem Hund geht. Fehlverhalten im Umgang mit Hunden kann an meiner Handpuppe „Tillmann“ erklärt werden. Das muss Gerda nicht ertragen. Die Kinder führen ein Gerda-Heft, in das wichtige Informationen eingetragen werden.

Es gibt auch Stunden, in denen spielen wir mit Gerda verschiedene Spiele, Übungen und machen Kunststücke. Das schafft sie allerdings in der Regel nicht die ganze Zeit und muss dazwischen Pause machen, vor allem wegen der vielen Leckerlis. Bei Spielen mit dem Hund erleben sich die Kinder auch immer selbst. Wie fühlt sich das an? Macht mir das Angst? Schau ich lieber erst mal zu? Warum hört Gerda nicht auf mich?

An einem schönen Tag gehen wir auch mal mit ihr raus, mit Beobachtungsauftrag versteht sich.

Zur Verfügung stehen des Weiteren eine Menge Hundebücher, Filme, Gesellschaftsspiele, die den Hund zum Inhalt haben. Wir schreiben Hundegeschichten, wir lesen sie vor, sammeln Hunde-Wörter und malen Hundebilder. Wir verkaufen selbstgemachte Hunde-Postkarten und machen Fotos mit Gerda gemeinsam. Und den Kindern fällt da immer noch mehr ein.

Eine Hundestunde lebt auch von spontanen Beobachtungen: Wie geht es Gerda gerade? Warum macht sie das? Fühlt sie sich wohl oder unwohl?…Eine Stunde kann dann auch schon mal einen anderen Verlauf als den geplanten nehmen.

In Hundestunden muss man aushalten, dass man heute vielleicht nicht mehr drankommt, dass Gerda lieber an jemand anderem schnüffelt, dass Lautstärke und Zänkereien dazu führen, dass Gerda in die Pause geht.

In der Hundestunde geschieht Lernen auf der Beziehungsebene und über die Beziehungsebene und ganz nebenbei lernen die Kinder auch etwas über den Hund.

Beispiel für ein Thema in der Hundestunde 1.Klasse: „Die Sinnesorgane des Hundes“